Mein Leben
Vorgestellt von Achim Pietschmann



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Meine Kindheit verlief normal, soweit man damals über Normalität reden konnte. Ich wurde an einem Samstag, am 25. August 1928 in Stettin geboren. Meine frühesten Kindheitserinnerungen gehen auch an diesen Ort zurück. Ich muss wohl 3 – 4 Jahre alt gewesen sein, als man mir im Sand an der „Judenmauer“ (wahrscheinlich ein jüdischer Friedhof) meine erste Holzeisenbahn stahl.
Wir waren zu drei Geschwistern. Zwei Mädchen und ich. Die älteste Schwester 8 Jahre älter, die Jüngere 2 Jahre jünger. Mein Vater war Staatsbeamter; das heißt durch Beförderungen und Versetzungen war meine Jugend durch andauerndes Umziehen von der einen Stadt in die andere Stadt geprägt. Wir zogen von Stettin nach Treptow/Rega und dann nach Berlin in die Alt-Moabiter-Straße 104a. Hier wurde ich auch eingeschult. Von Berlin zogen wir nach Schneidemühl, in eine schöne Wohnung im dritten Stock der Friedrichstraße 24a. Es war 1933 und Hitler übernahm die Macht. Ich war 5 Jahre alt und erinnere mich an die vielen Umzüge der SA mit Fahnen und Fackeln. Auch wir Kinder bekamen Papierfähnchen, die wir stolz trugen. Sonntags gab es Volksessen im „Friedrichsgarten“. Der Friedrichsgarten war ein - heute würde man sagen - Biergarten. Er lag direkt neben dem Haus, in dem wir wohnten. Dort gab es von den Soldaten aus der Gulasch-Kanone, Erbsensuppe. Von Schneidemühl zogen wir nach Deutsch-Krone. Hier erlebten wir 1939 den Kriegsausbruch. Die Flugzeuge donnerten über uns weg nach Polen. Ich kam hier in das Jungvolk (DJ). 1940 wurde mein Vater nach Litzmannstadt (Lodz) versetzt. Wir wohnten in einem Vorort, der Julianow hieß. Ich besuchte die Oberschule -das heutige Gymnasium- und war ein fauler Schüler. Hausaufgaben wurden erst morgens in der Straßenbahn gemacht. Zum Glück hatte ich eine gute Auffassungsgabe. Denn jedesmal stand im Zwischenzeugnis: „Die Versetzung ihres Sohnes ist gefährdet“. Mit Zwischenspurt wurde dann knapp noch das Ziel erreicht.
Die schönsten Erinnerungen meiner Kindheit liegen in dieser Zeit. Wir spielten Indianer. Rauchten aus der Friedenspfeife getrockene Blätter wonach jedem natürlich übel wurde. Wir „spielten“ Krieg. Im Garten wurde ein Schützengraben ausgehoben und wir besorgten uns Karbid. Karbid hat die Eigenschaft wenn es mit Wasser zusammen kommt bildet sich ein Gas, das sich stark ausdehnt. Wir füllten Karbid in eine Bierflasche mit Bügel-Verschluß, gaben Wasser hinzu und gruben die Flasche ca. 30 cm ein. Flugs in den Graben und die anschließende „Explosion“ ließ unsere Kinderherzen höher schlagen. Eines Tages, wir hatten gerade die Flasche vergraben, kam mein Vater ohne Voranmeldung zu ungewohnter Zeit nach Hause. Die Zeit vom Erkennen das Vaters bis das er in das das Haus ging, kam uns vor wie eine Ewigkeit. Aber es klappte. Mein Vater war schon eine Minute verschwunden. Keiner traute sich natürlich die Flasche wieder auszugraben, da der Zeitpunkt der „Explosion“ nicht vorher bestimmbar war. Nach einer kurzen Zeit, ging dann die Flasche in die Luft. Die „Detonation „ war nicht so groß, wie man sich das vorstellt. Es war mehr ein Plopp und das Erdreich flog vielleicht 40 cm hoch. Aber für uns Jungen war es immer wieder ein Erlebnis. Wir wurden ja im Jungvolk militärisch erzogen. Und eine große Be-geisterung begleitete unser Denken und Handeln. 1943 war ich „Fähnleinführer“ und glaubte natürlich nicht mehr in den Krieg ziehen zu müssen. Aber weit gefehlt. Im August 1944 wurde ich eingezogen. Wir lebten damals in Eilenburg. Nach 4 Wochen Ausbildung in einer Kaserne in Wittenberg ging es in das damaligen Sudetenland. Hier blieben wir 3 Monate und kamen dann an die Ostfront. Wir sollten nach Warschau verlegt werden. Aber der Feind war schneller. Kurz hinter Frankfurt-Oder war Ende. Der Ort hieß Molkenberg. Wir verschanzten uns bis Ende März. Dann überrollte uns der Russe. Die Kriegserlebnisse die ich dort gehabt habe, waren grausam. Aber ich weiß nicht woran es lag, an meiner Mentalität oder an meiner Jugend, die furchtbaren Erlebnisse perlten an mir ab, ohne psychischen Schaden anzurichten. Dazu hatte ich auch immer, unheimliches Glück. Einige „Momentaufnahmen“ sind haften geblieben: Der Kampf war furchtbar. Die Kameraden liefen und fielen. Blut überall. Mir kam alles unwirklich vor. Ein Soldat bekam eine fürchterliche Salve. Ich weiß nicht ob es eine Granate war oder Dum-Dum-Geschosse, auf alle Fälle rollte der Kopf über das Straßenpflaster, während der Körper noch einige Meter weiter lief. Als der Russe sichtbar wurde, habe ich mich neben einen Kameraden in einen Straßengraben geworfen. Es war eine ziemlich gute Deckung. Wir unterhielten uns über unsere Herkunft. Kurze Zeit später krepierte eine Granate hinter unseren Füßen. Der Kamerad war tot, mir fehlte nichts. Stunden später, man hörte noch das Grollen der Geschütze, die Front hatte sich weiter westlich verlegt, spürte ich vorsichtig im Wald fünf Kameraden auf. Wir bildeten eine kleine Truppe und hatten nur das Ziel vor Augen, wieder heil nach Hause zu kommen. Einer war Unteroffizier und führte uns an. Nachts ging es vorsichtig westwärts, tagsüber haben wir uns versteckt, meistens im Wald und geschlafen. Das Schlimme war, wir hatten nichts zu essen und trinken. Bei unserer Gruppe war ein Landwirt der kannte sich gut in wilden Kräutern aus. So überstanden wir das Schlimmste.

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Eines nachts lag vor uns im Wald ein Haus. Vermutlich Försterhaus. Wir pirschten uns vorsichtig heran. Keine Menschenseele war zu hören. Wir gingen hinein und machten eine furchtbare Entdeckung. Im Schlafzimmer lag eine nackte, vergewaltigte, tote Frau. So furchtbar das war, aber wir konnten nicht helfen. Wir fanden dann im Keller Unmengen von "Eingemachten". Zwei Personen durften schlafen. Ich glaube ich war auch dabei. Zwei Personen hielten Wache. Und der Landwirt und noch eine Person sorgte für unsere „Zukunft“. Fast alles Eingemachte wurde in den großen kupfernen Waschkessel geschüttet und zum Kochen gebracht. Dann kam Mehl hinzu und es wurde eine Masse, ähnlich einem festen Teig. Dieser Teig wurde in kleine Würste gerollt und galt als Proviant für die weiteren Tage. Es hat uns sehr geholfen. Wasser war durch Regen auch immer vorhanden.
Am nächsten Morgen gingen wir wieder in den Wald zurück und schliefen bis zum Abend. So ging das weiter, tagsüber schlafen, nachts marschieren. Ich weiß nicht mehr wann und wo es war; wir trafen einen Zivilisten, der uns sagte der Krieg wäre beendet. Wir sollten uns einen weißen Lappen um den Oberarm binden, dann würden die Russen uns nichts tun. Aus der heutigen Sicht: „Sehr blauäugig“. Aber wir marschierten mit vielen Menschen nun über die Straße Richtung Heimat.
Ich weiß noch, daß ich ungefähr einen Tagesmarsch von Eilenburg entfernt war. Die Gruppe löste sich auf, weil ja jeder ein anderes Ziel hatte. Ich hoffte meine Eltern und Geschwister in Eilenburg wieder zu treffen. Und tatsächlich, ich kam über die Dübener Landstraße aus Richtung Bad Düben direkt auf das Haus zu, in dem meine Mutter mit meinen beiden Schwestern lebten. Ich weiß heute nicht mehr ob ich nachgefragt habe oder meine Mutter am Fenster stand und mich unter den vielen Menschen in dem Treck erkannte. Auf alle Fälle waren wir alle glücklich.
Nun geschah etwas Unvermutetes. Eine Stunde nach meiner Ankunft zogen vor unserem Haus Russen auf und alles was männlich war wurde auf einen Lastwagen geladen und dann abtransportiert. Wieder mal Glück gehabt.
Unser Vater war zu jener Zeit auch festgenommen worden und nicht erreichbar. ich sollte ihn erst Silvester 1955/56, 10 Jahre danach wieder sehen. Nun kam das große Problem: Überleben!
Geld war keines vorhanden und wäre es, es war wertlos. Und so entschloß ich mich mit Hilfe durch Vermittlung meiner Schwester Marianne, Bäcker zu lernen. Brot war zu der Zeit so wichtig wie essen und trinken überhaupt. So begann ich am 10. Oktober 1946 meine Bäckerlehre bei Bäckermeister Sperling in Eilenburg. Es war eine harte Zeit in jeder Beziehung. Mein Meister war geizig und ungerecht. Es verging kein Tag wo ich nicht eine Backpfeife bekam. Wenn ich pro Woche ein Brot bekam, war das schon viel. Ich mußte ja meine Mutter und die beiden Schwestern auch unterstützen.
Ich konnte und wollte einfach nicht mehr weiter machen. Meiner Klage bei der Innung wurde stattgegeben. Nach einem Jahr wechselte ich meine Lehrstelle und begann in Wittenberg bei Herbert Kunze. Hier lernte ich auch meine „große Liebe“ (meinte man damals) Ilse Schade kennen, die aus Köln dort evakuiert war. Im September 1946 starb meine Mutter an einem Gehirntumor. Da ich schon nach 1 ½ jähriger Lehrzeit (es gab nur Roggenmehl) meine Gesellenprüfung ablegen konnte, machte ich mich in einer Nacht- und Nebelaktion auf und ging über die „Grüne Grenze“ und landete in Köln. Wie das Leben so spielt, meine Ilse war schon vergeben. Die Mutter einer Freundin von Ilse, Frau Trauzenberg nahm sich meiner an und gab mir einen Unterschlupf (Deutz-Mülheimer-Straße 258).
Sie nahm mich aber auch bei der Hand, legte einen Verband um meinen Arm und besuchte alle Bäcker mit dem Ansinnen: Bitte helfen Sie diesem armen Mann. Er ist Bäcker und kann wegen einer Verwundung seinen Beruf nicht ausführen. Dabei legte sie dann meinen Gesellenbrief vor. So mußten wir nicht hungern.
Wieder hatte ich Glück. Ganz in der Nähe eröffnete Hans Ott wieder seine, durch Bomben zerstörte Bäckerei. Ich durfte am 01.06.1947 anfangen. Mein Meister und seine Frau wohnten zu dieser Zeit in Köln-Dellbrück. Ich wohnte, oder besser schlief vor dem Ofen auf einer Matratze in der Backstube. Jeden Morgen um 03:30 Uhr musste ich aufstehen und den Sauerteig für das Brot herstellen. Weiter als Brot gab es ja nichts. Der Amerikaner lieferte zu dieser Zeit Maismehl. Das war ein schneeweißes Mehl ohne Klebergehalt. Sah aus wie Kuchen. Aber man aß sich schnell an dieser Backware über. Am 20.06.1948 kam die Währungsreform. Plötzlich, über Nacht war das Geld wieder etwas wert. Jeder Bürger erhielt DM 40,00. Zu dieser Zeit fingen auch meine Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht an. Eine Episode aus dieser Zeit muss noch erzählt werden. Die Mädchen waren ja ziemlich anstrengend und ich ging spät schlafen. Eines morgens, der Sauerteig war bereits fertig, und der Wecker hatte mich wieder angemahnt, machte ich gegen 06:00 Uhr den Brotteig an; der Kessel war bis zum oberen Rand voll. Danach muß der Teig ca. 10 Minuten „ruhen“ bevor er weiter verarbeitet werden kann. Da ritt mich der Teufel und ich dachte, setze dich noch 10 Minuten auf die Matratze. Es kam, wie kommen mußte; ich schlief ein. Ein Rummsen gegen die Tür weckte mich. Mein Meister konnte nicht durch die Haupttür, da sie gut gesichert und verschlossen war. Er warf vom Nachbartrümmergrundstück Ziegelsteine gegen die Backstubentür. Ich dachte mich trifft der Schlag. Die ganze Backstube stand bis zum Rand der Matratze voller Teig. Der Tag war natürlich gelaufen. Das Brot was um 08:00 Uhr verkauft werden sollte war nicht da. Ich versuchte mich schon nach der Währungsreform als Konditor bei Hans Ott.. Ich machte Gebäck, Torten und feine Kuchen. Weil mir diese Spezialitäten mehr Spaß machten als Brot oder Brötchen zu backen, beschloß ich Konditor zu lernen.
Im November 1948 fing ich in der Bäckerei und Konditorei Georg Schmitz an der Ecke Leuchterstraße/Berliner Straße in Köln-Dünnwald an. Ich hatte hier im Dachgeschoß ein schönes, aber kleines Zimmer. Mit den Damen, die mich ab und zu begleiteten, mußte ich mich nach oben schleichen. Denn die Moral war so streng, dass ich glaubte entlassen zu werden, wenn sie mich erwischt hätten. So verlief die Arbeit in Dünnwald. Morgens früh aufstehen und abends früh in’s Bett. Nur der Freitag machte eine Ausnahme. Ich bekam jeden Freitag DM 20,00 als Lohn (Trinken, Essen und Schlafen frei). Ich hatte einen Freund der hieß Bruno Scheurer, lernte Schreiner und bekam auch wöchentlich DM 20,00. Zu jener Zeit befand sich auf der Odenthaler Straße in Dünnwald eine „Bar“, mit dem Namen „Zur Roten Laterne“. Die war jeden Freitagabend unser Ziel. Ich weiß noch, es wurden nach amerikanischen Vorbild, Flaschen hingeschoben. Die Flasche kostete DM 5,00 und wurde zum Ende nach dem verbliebenen Inhalt abgerechnet. Bruno bekam eine Flasche Escorial grün und ich Danziger Goldwasser. Ich kann mich nicht erinnern, dass einmal ein Rest übrig blieb.
Am 06.Mai 1949 machte ich meinen Führerschein Klasse 3. Den spendierte mein Meister. Er kostete DM 90,00. Die Übungsstunden waren interessant. Ich lernte auf einem „Ford Eifel“. Das war ein Vehikel mit Wechselgetriebe. Man mußte also immer beim herunterschalten Zwischengas geben. Die Übungsstunde dauerte schon damals nur 45 Minuten. Es wurde mindestens zweimal eine „Tankstelle“ angefahren. Das waren vom Fahrlehrer bekannte Kneipen und da gab es immer einen Schnaps.
Mein Meister Georg Schmitz, hatte einen Vater, der besaß auch eine Bäckerei in Schlebusch, Bäckerei Bähr. Ich fuhr ca. 3 x in der Woche mit dem Fahrrad, später mit einem „Hermänn-chen“ (Fahrrad mit Hilfsmotor) und dann mit einer 250iger Rabeneik (Motorrad) und brachte Brötchen und Gebäck nach Schlebusch. Dies war dann auch der Grund, warum der Meister den Führerschein spendierte. Anfang 1949 bekam ich eine Bronchitis, die sich später als Mehlstauballergie entpuppte. Im September wurde ich berufsunfähig geschrieben. Nun machte sich der Führerschein bezahlt. Der Meister ließ einen großen Kasten mit Räder und Anschlußkupplung bauen. Ich sollte mir Kunden suchen, dafür bekäme ich 20% des Umsatzes und sollte dann jeden Morgen Ware ausfahren. Es war damals so üblich, dass die Brötchen vor die Tür gelegt wurden.
Ich mußte zwei Touren fahren. Morgens um 05:00 Uhr die Brötchen, dann wurde Brot und Kuchen geladen und um 12:00 Uhr wurde an der Tür geklingelt und gefragt, was gewünscht wurde. Zu dieser Zeit hatte ich eine Freundin. Diese wohnte in meinem Gebiet. Martha Winter, Lippeweg 59. Was lag näher, als zwischen Brötchen und Kuchen bei (ich nannte sie Mausi) Pause zu machen.
Das ging alles gut bis Weihnachten 1949. Als ich von Mausi die zweite Tour antreten wollte, war der Anhänger leer. Ich hatte Stollen, Spekulatius und eben Weihnachtssachen geladen. Das war ein hoher Materialwert und ich mußte den natürlich ersetzen. So fuhr ich nun noch ein halbes Jahr mit halber Provision meine Ware aus. Dann verkaufte ich meine Kunden an die Großbäckerei Schnass in Dünnwald. Ein Fahrer von denen fuhr auf dem Sozius mit mir und registrierte die Namen. Ich bekam für jeden Kunden der angab, auch bei Schnass Ware zu beziehen DM 3,00. Das war für mich damals viel Geld. Aber leider war die Kasse bald wieder leer. Ich bemühte mich als Fahrer eines Lieferwagens irgendwie unterzukommen. Aber alles vergebens. So nahm mich nochmals die Bäckerei Ott auf, die mir ein Zimmer anbot. Erst ging ich heimlich noch in die Mülheimer Brotfabrik arbeiten. Aber das war eine kurze Zeit. Dann arbeitete ich bei Otts weiter. Aber die Mehlstauballergie machte sich immer wieder bemerkbar. Das oberste Gebot war nun einen anderen Job zu finden.
Ich bewarb mich bei der Eisenbahn, beim Bundesgrenzschutz, bei der Polizei. Ich konnte auch überall an den Prüfungen teilnehmen, welche ich auch mit gutem Ergebnis abschloss. Dann kam die Untersuchung bei den jeweiligen Amtsärzten und alle sagten mir, wenn ich meine Krankheit auskuriert hätte, sollte ich wiederkommen. Jetzt beginnt eine Ära, die mein ganzes Leben verändern sollte. Allerdings wußte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon. Ich war weiter auf Arbeitsuche und las ein Schild, in dem die "Kölner Verkehrs-Betriebe" - damals noch "Bahnen der Stadt Köln" - Schaffner suchten. Ich wollte mich erst gar nicht melden. Der Grund war erstens die Mißerfolge welche hinter mir lagen und zweitens war Schaffner nun nicht mein Traumberuf. Aber wenn man in Geldnöten ist, greift man auch zum Strohhalm. Also bewarb ich mich Ende 1952. Und siehe da, keine Untersuchung beim Amtsarzt, so konnte ich als Schaffner auf der Line „O“ (nicht Null, sondern O wie Opladen) anfangen. Am 06.01.1953 begann der neue Lebensabschnitt bei den Verkehrs-Betrieben. Der Stundenlohn betrug 0,96 DM. Der Betriebshof war auf der Düsseldorfer Straße. Die Haltestelle in unmittelbarer Nähe des Betriebshofes hieß „Wiesdorfer Straße“. Ich wohnte weiterhin bei Ott’s. Damals gab es noch Personalwagen, die einem zum Frühdienst abholten und nach dem Spätdienst wieder nach Hause fuhren. Das war sehr praktisch, weil die Gleise an der Bäckerei vorbei führten und der Personalwagen mich dort aufnahm bzw. absetzte. Ich hatte nun wirklich nicht vor Schaffner zu bleiben. Es sollte mehr ein Sprungbrett für eine andere Tätigkeit sein. Aber ich fand nichts. Im Laufe der Zeit konnte ich mich richtig daran gewöhnen bei der KVB zu sein. Das sehr frühe Aufstehen kannte ich bereits als Bäcker und der Kundenkontakt machte mir Spaß. So bewarb ich mich Ende 1953 als Straßenbahn-fahrer. Die Ausbildung dauerte normaler Weise 3 Monate und war relativ schwierig. Alle Züge stammten aus der Vorkriegszeit und die Wagen kränkelten. Es gab Tage da konnten wir keinen Zug für die Ausbildung bekommen, da der gesamte Wagenpark auf der Strecke war. Hinzu kam, dass die Linie O als Vorortbahn geführt wurde, obwohl der Wagenpark aus Straßenbahnwagen bestand. Der Unterschied war, ein richtiger Vorortzug war ein „Luftzug“. So wurden wir zuerst als Straßenbahnfahrer und anschließend als Vorortbahnfahrer ausgebildet. Unser Ausbilder war der spätere Oberfahrmeister Risto. Die Ausbildung war eine schöne Zeit und wir waren ein netter Haufen und hatten viel Spaß. Damals wie heute hat man immer Angst vor der Prüfung. Schließlich erhielten wir aber alle unseren Straßenbahnführerschein. Ab 05.07.1954 war ich also Fahrer auf der Linie O. Die erste Woche fuhr ich mit einem Lehrfahrer. Das war ein erfahrener älterer Fahrer, der einen begleitete und die Besonderheiten auf der Strecke zeigte. Dann war ich selbständig.
Die Linie O war die längste Linie im damaligen Netz. Von Opladen bis zum Ubierring. Zweimal Opladen, zweimal Ubierring und man hatte Feierabend. Wir waren der einzige Betriebshof mit nur einer Linie. Das hatte den Vorteil, dass man             als Straßenbahnfahrer 1954             jeden Fahrer und deren Fahrweise kannte. Das Handicap auf der Linie O war, dass wir sehr viele eingleisige Strecken hatten. Wenn beispielsweise ein entgegenkommender Zug Verspätung hatte, mußte man an der Ausweiche warten und bekam selbst Verspätung. Aber wie gesagt, man kannte seine Pappenheimer. Und wenn man an einer Ausweiche ankam wo man mit dem Gegenzug kreuzen sollte und der Gegenzug noch nicht rot geschaltet hatte, dann fuhr man ohne an der unmittelbar davor liegenden Haltestelle zu halten, unter den Schaltschlitten und schaltete sich grün. Das hört sich heute furchtbar an. Aber damals gab es noch keine elektronische Schaltkreise. Auch die Haltestellenbefestigung wie man sie heute kennt, gab es nicht. Das war alles Sand oder Schotter und die Fahrgäste waren darum froh, pünktlich nach Hause zu kommen. Das Verhältnis von Fahrgästen und Fahrpersonal war einmalig. Wir kannten unser Fahrgäste, die jeden morgen in den Zug stiegen und wir hielten Ausschau, wenn die "Frau Schmitz" oder "Frau Müller" noch nicht da waren. Zu Weihnachten türmten sich Geschenke der Fahrgäste auf dem Fahrerstand.
Zum größten Teil waren die Wagen sogenannte Stehwagen. Der Fahrer hatte also keinen Sitzplatz sondern stand hinter der Kurbel. Mich plagten damals Magengeschwüre. Jedes Frühjahr und im Herbst meldeten sich diese an. Wer schon einmal damit zu tun gehabt hat, weiß was das für Schmerzen sind. Man nimmt dann unwillkürlich eine gebeugte Haltung ein. Ein junges Mädchen, ich kannte sie vom sehen, wußte aber natürlich keinen Namen, sprach mich eines Tages an und fragte ob ich Magenschmerzen hätte. Nach der Verwunderung ob man mir das ansah, empfahl sie mir, Rabro-Tabletten zu nehmen, die würden helfen.
Dieses junge Mädchen wurde meine Frau. Sie hieß Gisela Hofmann und wohnte in Opladen. Wir waren sehr verliebt und beschlossen im November 1955 zu heiraten. Zwei Wochen vor der geplanten Hochzeit starb der Opa von Gisela. Da wir in weiß heiraten wollten, wurde die kirchliche Hochzeit auf den Februar 1956 verschoben. Das Aufgebot beim Standesamt war aber bestellt, so wurde standesamtlich am 25. November 1955 die Ehe geschlossen.
Wir unternahmen eine Hochzeitsreise nach Hamburg, die aber wegen moralischer Vorbehalte meiner Schwiegereltern nicht toleriert wurde. Dort wohnte meine Schwester Marianne.
Der weitere Verlauf meiner Tätigkeit bei der KVB sollte durch einen Umstand sehr stark beeinflußt werden. Das war aber zu jener Zeit noch nicht erkennbar. 1956 mußte ich mich einer Operation im Vinzenz-Hospital unterziehen. Ein Erbe meiner Mutter waren Zentimeter dicke Krampfadern. Die Operation verlief gut. Es wurde die sogenannte „Rosenader“ gezogen. Die Betäubung erfolgte mit Evipan. Ein Mittel, nachdem man unheimlichen Durst bekam. Da man ja nicht organisch krank war, bekam man was man wollte, mit dem Ergebnis, dass alles sofort wieder erbrochen wurde. Es war Juli und ein sehr heißer Sommer. Das Krankenhaus lag in dem damaligen Merheim linksrheinisch, das heutige Weidenpesch. Da, wie gesagt, auf der Station keine organisch Kranke lagen, wir sehr jung waren (Ich war 28 Jahre) wurde viel Unsinn unternommen. Es war ein katholisches Krankenhaus mit „Nönnchen“ als Schwestern. Wir beschafften uns Wasserpistolen und eine wahre Wasserschlacht entbrannte. Die Schwestern wurden natürlich mit einbezogen. Mein Hobby wurde das Fotografieren. Ich hatte mir 1955 von Photo Porst die erste Kleinbildkamera, die er nach dem Krieg herausbrachte gekauft und führte diese stets mit mir. Ich fotografierte alle möglichen Situationen, jedes wichtige Ereignis das ich während meines Dienstes als Fahrer sah. Das Badezimmer wurde als Dunkelkammer umfunktioniert. Wenn zufällig ein Unfall auf der Strecke war, Signalschaltungen nicht den Erfordernissen angepasst waren; schickte ich die Bilder zur Fahrtechnik. Später sollte sich das für mich günstig bemerkbar machen. Wir wohnten im elterlichen Haus meiner Frau in Opladen. Anfang 1958 bekam ich von der KVB das Angebot nach Köln in eine eigene Wohnung zu ziehen. Wir nahmen dieses Angebot an und zogen in die Achterstraße 1, in das Severinsviertel. Parallel zu dieser Zeit verschlechterte sich zusehends mein Gesundheitszustand. Ich hatte seit meiner Militärzeit Magengeschwüre, die besonders im Frühjahr und Herbst mir sehr zu schaffen machten. Zu dieser Zeit bewarb ich mich als Omnibusfahrer und Verkehrsmeister. Dann kam die Zeit der Ausbildungen und Prüfungen. Im Mai 1958 machte ich den Führerschein Klasse 2 und anschließend den Personenbeförderungsschein. Parallel dazu verlief meine Ausbildung als Verkehrsmeister. Während dieser Ausbildungszeit wurde ich weiter als Strab- und Busfahrer auf allen Betriebshöfen eingesetzt. Wir hatten bei der KVB eine Elite-Abteilung, die Fahrtechnik. Sie war etwas besonderes und dort hinein zu kommen war kaum möglich.
Während der Ausbildung als Verkehrsmeister, wurde die korrekte Durchführung der Dienstzeiten wie Dienstbeginn und Dienstende streng überwacht. Eines morgens, zu Beginn meines Dienstes um 05:00 Uhr auf dem Btf West, (ich hatte Dienst auf dem Funkwagen), kam Oberinspektor Hansen, Leiter der Fahrtechnik hinter einen Gebüsch hervor und wünschte uns (wir waren zu zweit) einen guten Morgen. Dann wandte er sich an mich und fragte: “Herr Pietschmann, sie können doch filmen“. Ich hatte überhaupt keine Ahnung vom Filmen, aber ich sagte nie, nein. Oberinspektor Hansen empfahl mir, mich schriftlich bei der Fahrtechnik als Fahrmeister zu bewerben. So wurde ich im Dezember 1961 Fahrmeister mit einem Gehalt von DM 585,00 DM.
1959 vielleicht auch 1960 kam ich das erste mal mit meinen Magenbeschwerden in das Krankenhaus nach Leverkusen. Ich hatte Magenbluten. Mit viel Eis konnte diese Blutung zum Stillstand gebracht werden. Aber es kam noch schlimmer. Es war wohl 1961 als ich einen Magendurchbruch bekam. Mit Notarzt wurde ich ins Krankenhaus gebracht. Die Ereignisse überstürzten sich und selbst die Ärzte gaben keinen Pfennig mehr für mein Leben. Meine Frau war Tag und Nacht an meinem Bett und das tat in den Phasen des Wachseins gut. Ein Iraner, Dr. Moushiri hatte mich operiert. Ich habe versucht ihn später zu finden um ihm meinen Dank auszusprechen aber da war er nicht mehr im Leverkusener Krankenhaus. An dieser Stelle mein Dank an ihn. Ich wollte zu jener Zeit bewußt keine Kinder haben. Nach dem erlebten Krieg und den damals entstehenden Fronten zwischen Ost und West, die Zeit der nuklearen Versuche, die das Weltgeschehen bestimmten, war meine Einstellung verständlich. Was sollte ein Lebewesen wie das Kind von der Zukunft erwarten? Meine Frau war sehr weiblich, sehr häuslich und bestrebt Mutter zu werden. Nach meiner Genesung änderte ich meinen Entschluß. Hört sich hochtrabend an, aber es war so.
Am 30. September 1963 wurde unser Sohn Rainer geboren. Und er war ein Glückstreffer.
Weiter nun erst mal mit der KVB. Ich bekam das Ton-, Foto und Filmstudio und den Auftrag Lehrfilme zu drehen. Der Grund war ein Vorfall beim Fahrpersonal mit tödlichem Ausgang. Der Fahrer musste auf das Dach der Straßenbahn, da das Seil vom Stromabnehmer sich eingeklemmt hatte. Bei der Lösung des Problems bekam er einen elektrischen Schlag. Von Seiten der KVB konnte nicht bewiesen werden, dass der Fahrer über das vorschriftsmäßige Besteigen des Daches unterrichtet worden war. Nun sollte, über das was im vierteljährlichen Unterricht mitgeteilt wurde, im Film festgelegt und den Fahrern gezeigt werden. Für mich bedeutete das, alle viertel Jahre einen Film für die Busfahrer und einen Film für die Strabfahrer zu drehen. Ich bekam eine gute 16 mm Filmausrüstung und einen guten Mitarbeiter. Wir bekamen Spaß an der Durchführung der Aufgabe. Es entstand aber ein schlimmes Arbeitsklima zu unserem Vorgesetzten, Oberinspektor Hansen. Wenn zwei Menschen über ein Thema denken, denken zwei Menschen verschieden. Ich hatte den Auftrag einen Film zu drehen über das "herbstliche Fahren mit Straßenbahnen". Das Problem des Fahrens ist im Herbst, dass fallenden Blätter von den Bäumen auf den Schienen liegen bleiben und sich der Bremsweg durch die schmierigen Blätter verlängert. Der Fahrer mußte also Vorsanden. Ich hatte auch eine schriftliche Vorlage was der Film beinhalten sollte. Aber kein Drehbuch, wo ja jeder einzelne Schritt festgelegt ist. Ich begab mich also eines morgens um 05:00 Uhr in den Wildpark am Stadtwaldgürtel und drehte, wie ich meinte, hervorragende Szenen von der erwachenden Tierwelt im morgendlichen Nebel. Es sollte der Anfang des Filmes sein. Anschließend kam dann die Überleitung zu den Problemen des herbstlichen Fahren. Nachdem der Film fertig war mußte ich immer Oberinspektor Hansen informieren und er kam mit einem Oberfahrmeister vom Bus und einem Oberfahrmeister von der Straßenbahn in das „Filmstudio“. Das Licht ging aus und der Film lief an. Plötzlich brüllte Hansen: „Was ist das? Ein Hirsch wackelt mit dem Geweih, eine Ente schnattert, der Film heißt herbstliches Fahren und nicht „Getier im Walde“. Licht an! Empört verließ Hansen den Raum. Ich war fix und fertig und wollte den Job dran geben. Mit viel Überzeugungskraft der Oberfahrmeister und auch meiner Einsicht entschloß ich mich, doch weiter zu machen. Aber die Spannung zwischen Hansen und mir blieb.
Längst hatten die Leiter der Abteilungen gemerkt was für eine Möglichkeit mit der Erstellung eines Filmes gegeben war. Und ein damals junger Direktionsassistent, Herr Funke, er war Abteilungsleiter Zachmann unterstellt, hatte große Pläne mit dem "Metier Filmen". Als erstes drehte er mit mir einen Streifen „Straßenbahn und grüne Welle“. Der Film war ein großer Erfolg und wurde in vielen Städten gezeigt, die die gleichen Probleme hatten wie Köln. Oberinspektor Hansen sah seine Felle davon schwimmen. Damals stand ein wichtiger Termin an. Es wurde an der Burgmauer der erste Spatenstich für den Bau der U-Bahn feierlich begangen. Ich bekam von Herrn Funke den Auftrag dieses wichtige Ereignis zu filmen. Als Herr Hansen dies erfuhr, schloß er mich kurzerhand in meinem Studio ein.
Nun fingen die Puppen an zu tanzen. Oberinspektor Hansen war natürlich der Unterlegene. Für mich aber begann eine sehr schöne Zeit. Ich wurde dem Abteilungsleiter direkt unterstellt und traf Entscheidungen selbständig. Ich hatte die Aufgabe alles was bei der KVB geschah in Foto und Film festzuhalten. Diese Selbständigkeit sollte mein weiteres Leben sehr stark beeinflussen. Der Umstand, dass ich ins Angestelltenverhältnis übernommen wurde, meine Frau wegen der Erziehung von Rainer keine Arbeit mehr hatte und dadurch nichts mehr verdiente (damals gab es noch nicht das Mutterschutzgesetz) brachte unser Nettoeinkommen auf DM 500,00. Das war, auch an der damaligen Zeit gemessen, sehr wenig. Das Bestreben war natürlich sich eine Nebentätigkeit zu suchen. Es war wohl Weihnachten 1964 als wir von meiner Schwester Marianne ein Päckchen bekamen in dem als Dekoration ein Folienstern verpackt war. Nach Rückfrage erklärte sie mir, wie solch ein Stern zu fertigen war. Da ich Geschick habe, solche Basteleien durchzuführen, setzte ich mich hin und entwarf Sterne in allen Größen.
Wie das Schicksal manchmal spielt! Ich nahm meine Sterne schön verpackt in einem Karton und ging in unseren Schreibladen gleich um die Ecke, um mein Erzeugnis anzubieten. Als ich mein Sprüchlein aufgesagt hatte, sagte die Dame, dass sie nur vertretungsweise dort sei. Sie gab mir eine Geschäftskarte und bat mich, in den nächsten Tagen bei ihr vorzusprechen. Diese Dame war Fräulein Pier (später Frau Kramer), Tochter des Inhabers Heinrich Pier Großhandel in Büro- und Schreibwaren. Da ich keinerlei Erfahrung hatte was nun kam, war ich auf dem Weg zu ihr sehr skeptisch. Sie ging mit mir in einen Besucherraum und bat mich kurz zu warten. Ich baute meine Kartons etwas dekorativ auf. Da erschien sie mit ihrem Vater und dem ersten Einkäufer Herrn Pechner. Nach kurzer Besprechung im Flüsterton, kam Frl. Pier, zeigte auf die Kartons und sagte: „100 von diesen, 50 von jenen und 50 von denen“. Als ich das hörte, konnte ich nicht mehr denken. In dem Karton von denen sie 100 bestellte, waren 24 Sterne mal 100, sind 2400 Stück. Es waren vielleicht noch 25 Tage bis Weihnachten. Lieferung schnellst möglich. Da kamen uns unsere Freunde Marga und Kurt Paul zu Hilfe. Alles drehte Sterne. Wir schafften es zeitlich natürlich nicht. Aber es war ein Anfang. Im nächsten Frühjahr besuchte ich die Frankfurter Frühjahrs-Messe, um mir Erfahrungen zu holen. Denn ich wollte dort als Aussteller hingehen. Zunächst bedienten wir in den nächsten Jahren den Schreibwarenhandel über den Großhandel. Ich rationalisierte die ganze Arbeit. Was am Anfang mühselig mit der Schere ausgeschnitten wurde, konnte nun durch eine selbst gebaute Stanze vielfach gestanzt werden. Zur besten Zeit beschäftigte ich damals fast das ganze Jahr über 13 Heimarbeiterinnen. In Köln-Rath auf der Rösrather Straße hatten wir unsere erste Firmenadresse. Da Kurt Paul immer noch mithalf, nannte sich die Firma Pietschmann & Paul KG. Anfang der 70iger Jahre stellten wir dann auf der Frankfurter Früh- und Herbstmesse aus. Schnell blieb es nicht bei den Saisonartikeln sondern ich streckte die Fühler nach Japan aus um zu importieren. Am 19.04.1973 ging für mich ein Traum in Erfüllung. Kurt und ich stiegen das erste mal in ein Flugzeug und flogen nach New York. Es war eine Boing 707 Flug A 839. Damals flog die Pan Am noch von Köln. 11:02 Uhr ab Köln. Köln – New York 6.240 km. Flugdauer 7 Std. 35 Min. Ankunft auf dem JFK Flughafen 13:36 Uhr Ortszeit. Die Kölner Bank hatte für diesen Flug ein Angebot gemacht. Mit im Flugzeug war Claus Hinrich Castdorf, damals Reporter für das Fernsehen. Meine Frau Gisela konnte ihre Flugangst, die sie heute noch hat, nicht überwinden und blieb zu Hause.
Dieser Flug hat mein Leben geprägt. Ich hatte eine Droge bekommen, die man Fernweh nennt. Es ist ein Gefühl, welches man nicht beschreiben kann. New York selbst war für uns umwerfend. Das World Trade Center, gerade fertiggestellt, eröffnete neue Dimensionen. Fünf Tage dauerte diese Reise. Natürlich viel zu kurz. Aber, das wußte ich da noch nicht, ich sollte noch viele, viele mal diese Stadt besuchen. Unser Sohn Rainer, er war inzwischen 10 Jahre alt, machte uns nur Freude. Er hatte bis dahin eine wonnige Kindheit. Es stimmte alles. Rainer war ein intelligentes und sehr freundliches Kind. Wir boten ihm ein glückliches Zuhause und er dankte es uns zu jeder Zeit. Dann kamen für ihn und meiner Frau schreckliche Jahre. Ich weiß heute nicht mehr, die genauen Daten. Es war wohl 1976 als es wieder ein Angebot von der Kölner Bank nach Japan gab. Hier spielte noch der Wunsch mit, vor Ort für die Firma einkaufen zu können eine Rolle. Es war aber eine Schicksal ändernde Reise. Im Zug von Tokio nach Osaka, damals mit 200 Std/km der schnellste Zug der Welt, lernte ich im Zug Frau Ines Gottschalk kennen. Sie war aus Köln und Inhaberin einer Großwäscherei. Fern der Heimat, sie gut aussehend, leisteten wir uns in der Zeit die wir in Japan verbrachten gegenseitig Gesellschaft. Ich konnte damals kein Wort englisch. So ergab es sich, dass sie dolmetschte.
Eines Abends lud sie mich zum Lobsteressen ein. Ich wußte nicht, was Lobster war, sagte aber zu. Als wir dann im schmucken Restaurant saßen und die livrierten Kellner die Speisenfolge aufnahmen (natürlich von Frau Gottschalk in englisch bestellt), wurde mir doch etwas heiß. Ich hatte noch nie Hummer gegessen, kannte also auch nicht das Besteck welches zum Verzehr nötig ist und vorgelegt wurde. Ich dachte nur, sei clever und mache alles, Sekunden Bruchteile nach ihr. Und so geschah es. Frau Gottschalk wollte mir später nie glauben, dass es mein erster Hummer war.
Als wir in Köln auseinander gingen lud sie mich zum Kaffee ein um die Fotos, welche ich auf der Reise gemacht habe zu sehen. Sie bestellte auch Fotos die ich ihr brachte, aber damit war die Bekanntschaft erst einmal abgeschlossen. Wir hielten aber telefonischen Kontakt. Monate später, bekam ich von ihr einen Anruf, sie will eine Kreuzfahrt im Mittelmeer unternehmen, ob ich nicht Lust hätte mitzukommen. Ich hatte irgendwie Blut geleckt und sagte zu. Diese Reise habe ich noch zu Hause verschwiegen. Ich gab an eine Dienstreise nach Italien machen zu müssen. Ich stand vor einer ganz großen Entscheidung. Ich hatte eine liebe Familie auf der einen Seite. Auf der anderen Seite lockte die große weite Welt. Ich mußte mich für eins entscheiden und entschied mich für die Ferne.   Siehe auch damals    Meine Frau und Rainer taten mir unheimlich leid. Aber irgend wie geht es immer weiter. Ich reiste nun in der Welt herum. Ägypten, USA, Kanada, Marokko, Peru, Brasilien, Bolivien, Chile, die Osterinseln, Tahiti, Bora Bora, Morea, Australien, Thailand. Natürlich die großen Städte Europas. Ich war der Organisator, eine Eigenschaft die mir gut liegt. Ich lernte viel Wissen und die Menschen kennen. Obwohl ich kein Wort englisch sprach. gelang es mir überall mich durchzuschlagen. In den Anfang 80er Jahren trennten sich die Weg von Ines und mir. Es gab keinen Grund. Aber jeder ging seine eigenen Wege.
Fast zwei Jahre sind es her, dass ich diese Zeilen schrieb. Es ist Ende Januar 2003. Ganz Deutschland liegt heute unter einer Schneedecke. Nur das Rheinland, besonders Köln ist hiervon ausgeschlossen. Ich habe den Entschluss gefasst „Mein Leben“ in Schrift und Bild weiter fest zu halten.Der Grund, warum ich nicht weiter geschrieben habe liegt wohl in den Ereignissen der zu schildernden Jahre. Ich will sie einmal als die „wilden Jahre“ bezeichnen. Ich genoss das Leben in vollen Zügen. Arbeit war das Lebenselixier, aber es machte mir viel Spaß. Inzwischen hatten Kurt und ich eine Firma gegründet. Pietschmann + Paul KG. Aber Kurt bekam nach einiger Zeit „kalte Füße“. Übrigens zu recht. Er stieg aus und ich wandelte die Firma in eine GmbH & Co. KG. Wie schon erwähnt, war ich ein guter Organisator, aber ein schlechter Geschäftsmann. Die Firma ging dann auch irgend wann, irgendwie den Bach runter.
In dieser Zeit tat sich bei der KVB für mich aber etwas unheimlich Wichtiges. Nachdem ich seit 1965 als „Regisseur“ für Filme und Foto-Archiv zuständig war und Öffentlichkeitsarbeit machte, -ich arrangierte kleine Presse-Konferenzen, begleitete das Fernsehen wenn diese bei uns Aufnahmen machten, ich machte die erste Betriebszeitung "KVB - Intern" (heute würde man PR-Abteilung dazu sagen)- bekam ich 1984 die Chance eine Touristik- Abteilung aufzubauen. Ich tat es mit dem Elan, der mir gegeben war. Und das kam so:
Noch in der Eigenschaft als Leiter des Film- und Tonstudios, bekam ich den Auftrag in Berlin/Spandau eine Ausstellung „U-Bahnen Europas" zu beschicken. Wir waren Gäste des Senats der Stadt Berlin und wohnten im Hotel, damals „Hilton“ heute, glaube ich „Interconti“. Zu dieser Zeit war das Hotel kaum belegt.
Kurze Zeit nach dieser Ausstellung saß ich eines abends mit meinem damaligen Chef, den Vorstandssprecher Dieter Bollhöfer - wir waren inzwischen Duzfreunde-, in einer „feucht-fröhlichen“ Runde zusammen. Um das Weitere verständlich zu machen muß ich noch folgendes hinzu fügen: Die KVB hatte bei der Firma „Neoplan“ 150 Linien-Busse geordert und bekam dafür als "Zubrot" einen Reisebus modernster Ausführung, einen „Spaceliner“ „geschenkt“. Dieter wollte diesen Bus zum Reisen als Busunternehmen für die KVB einsetzen. Er versuchte mit Profis das Vorhaben in die Tat durch zu führen. Es gelang aber nicht. An dem besagten Abend erzählte Dieter, er wolle den Bus verkaufen, denn er bekommt ja vom Stehen „viereckige Räder“. Ich bat ihn nun, noch etwas zu warten. Mir fiel in diesem Augenblick das leere Hotel in Berlin ein und ich schrieb diesem Hotel, dass sie wohl die gleichen Probeme wie ein Verkehrsunternehmen habe: In den Spitzenzeiten ist alles ausgelastet, in der übrigen Zeit fehlt es an Kunden. Sie sollten mir ein Angebot machen für ca. 40 Personen, 2 Nächte. Den Zeitrahmen können sie bestimmen. Ich weiß es noch wie heute: 75,00 DM Übernachtung mit Frühstück in diesem Spitzenhotel. Ich rührte nun die Werbetrommel innerhalb des Betriebes. Es gelang mir in kurzer Zeit ca. 40 Personen zu finden, die Lust, Zeit und Geld hatten, mit nach Berlin zu reisen.
Wir mussten ja durch die DDR fahren und das war mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Aber es klappte alles hervorragend. Danach bekam ich das Reisebüro am Neumarkt. Ich wurde Abteilungsleiter der KVB Touristik Der Abteilung angeschlossen war der Sonderverkehr. Das ist die Vermarktung aller Bahnen und Busse für den privaten Einsatz. Einschließlich unser Sonderfahrzeuge von „Samba“ und „Finchen“ auf der Schiene, den Bus „Partyliner“ auf der Straße und unserem „Ratsschiff Stadt Köln“ auf dem Wasser.Was wichtig war, meine Abteilung war Stabsstelle und unterstand direkt dem Vorstandssprecher. Im Reisebüro beschäftigte ich drei Mädchen. Frau                 Das Reisebüro am Neumarkt           Strehlke, Frau Wisskirchen und Frau Straub. Im Sonderverkehr war Herr Serf und Herr Schöneborn. Als Busfahrer hatte ich vier Personen, die sich miteinander abwechselten. Dieter Schüller, Manfred Protzen, Manfred Kröning und Udo Nonn. Für den Bordservice stand mir Frau Brigitte Burger zur Verfügung. Die Sparte Reiseveranstalter war allseits beliebt. Wir hatten ein Klientel angesprochen, welches den Komfort liebte. Wir hatten also einen Bordservice, welche die Kunden verwöhnte. Alkoholfreie Getränke an Bord waren kostenlos. Auf der Hinfahrt jeder Busreise wurde in einem ausgesuchten Hotel ein Frühstücksbüffet gereicht. Das Gepäck wurde von den Fahrern versorgt. Wir machten schöne Busreisen. Die Ziele waren ausser in Deutschland und DDR Ungarn, Österreich, Italien Frankreich, Schweiz, Spanien, Portugal, Marokko, England und die skandinavischen Länder. Ab 1988 begannen die Fernreisen. USA, China, Ägypten und Australien. Alle Bus- und Fernreisen wurden von mir begleitet. Mir kamen bei der Ausübung der Planung , Organisation und Durchführung dieser Reisen natürlich die Erfahrungen der frühen Jahre zu Gute. 1992 konnte ich auf eine 40-jährige Tätigkeit bei der KVB zurückblicken. 1993 wurde ich 65 Jahre alt und hatte damit das Rentenalter erreicht, bekam aber dann einen Zweijahresvertrag. Dieses vorgesehene Ende nahm aber im Herbst 1994 einen unschönen Abschluss. Da ich vorhatte auf privater Basis als Reiseveranstalter weiter zu agieren,            Dieter Bollhöfer zu meinem Jubiläum
hatte ich die Kunden angeschrieben und denen dieses mitgeteilt. Das wiederum wurde mir vom Aufsichtsrat der KVB übel genommen. So musste ich sang- und klanglos im Oktober 1994 ausscheiden. Es hat mich damals schwer getroffen und ich brauchte Jahre, um das zu überwinden.
1997 bot ich dann in meiner Eigenschaft als Veranstalter der Firma API-Reisen-Köln wieder Bus- und Fernreisen an. Hinzu kam noch die Sparte Kreuzfahrten. Alles war sehr schön, aber alles hat auch ein Ende.
So begann die letzte Reise, eine Kreuzfahrt in das östlichen Mittelmeer/Schwarzes Meer mit der S/M Delphin am 10.10.2000. Die Route ging von Köln mit dem Bus nach Luzern. Dort Übernachtung. Dann weiter nach Genua. Einschiffung. Die nächsten Stationen waren: Sorrent/Italien, Griechenland, Ägäische Meer, Istanbul, Sotschi/Russland, Jalta/Ukraine, Varna/Bulgarien, Kusadasi/Türkei, Mykonos, Dubrovnik Venedig. In Venedig blieben wir noch zwei Nächte und fuhren dann mit dem Bus mit Übernachtung in Stuttgart nach Köln zurück. Insgesamt 21 Tage. Hiermit endete an für sich, oder zu mindest bis heute, der Ablauf meines Lebens. Aber im Leben gibt es viele Facetten. Man kann sie einfach nicht aussparren. Dazu gehört Geld, Gesundheit und ich meine das andere Geschlecht. Mit Geld hatte ich keine Schwierigkeiten. Ich hatte zwar nie viel, aber immer ein gutes Auskommen. Geld floss mir durch die Hände nach dem Motto:„wie gewonnen so zerronnen“.Ich konnte nie Geld vermehren. Die Gesundheit ist ein wichtiger Faktor                      Der "Spaceliner"                      im Leben eines Menschen. Ich hatte viele Probleme mit der Gesundheit, bin aber über alles erfreulicher Weise, gut hinweg gekommen. In meiner frühen Jugend, soweit ich mich erinnern konnte hatte ich eine Allergie, bei der alles anschwoll. Vor allem die Augen quollen zu. Dazu ein sehr starker Juckreiz. Bis meine Eltern erkannten woher das kam, wurde ich ca. 10 Jahre alt. Ich hatte eine starke Allergie gegen Nüsse und Mohn. Nüsse sind ja in vielen Sachen versteckt. Z.B. Nugat ist ein reines Nusserzeugnis. Es dauerte eine ganze Zeit bis das erkannt wurde. Diese Allergie hat mich bis heute begleitet. Obwohl immer vorsichtig, traten Ereignisse ein, die mich überraschten. In Ungarn aß ich ein Stück Kirschkuchen, oder besser nur ein Teil davon. Unter den Kirschen war eine Mohnschicht. Der Allergie-Anfall dauerte meistens zwei Stunden. Man brachte mich in das Krankenhaus, in der ich eine Kalziumspritze bekam. Oder mein schlimmstes Ereignis war der Flug mit einer Gruppe von 40 Personen nach New York. Ich saß in der letzten Reihe um meine Leute vor mir zu wissen. Alle Tickets und Pässe befanden sich in meinem Besitz. Kurz nach dem Start, wir flogen mit Lufthansa, bekam jeder ein Tütchen mit Inhalt. Ich machte dies auf und ohne zu schauen, verschwand der Inhalt in meinem Mund. Als ich bemerkte, dass es Nüsse waren, war alles zu spät. Meine Speiseröhre schwoll ganz stark an. Ich konnte noch zur Stuardess sagen: „Ich habe eine Allergie“ dann versank ich ins Koma. Was nun folgte habe ich später erfahren. Als man entdeckte, dass ich ohne Besinnung war, rief man über Lautsprecher nach einem Arzt. Ich kam in der hinter meiner Sitzreihe befindlichen Küche. Man zog mich bis auf die Hosen aus suchte wahrscheinlich nach den Grund meiner Ohnmacht. Man soll mir 500ml Kortison gespritzt haben. Ich wurde gerade wieder wach, als der sich über mir gebeugte Arzt dem Kapitän die Anweisung gab in Dublin zu landen. Dieses Unheil konnte ich gerade noch verhindern. Was wäre geschehen, da meine Gruppe von dem „Unfall“ nichts merkte, wenn die Besatzung mich mit meinem Aktenköfferchen ausgeladen hätte. Nicht auszudenken !!!
Lange Zeit ist vergangen seit ich die letzten Zeilen geschrieben habe. Der Kalender zeigt heute den 16. September 2005. Wichtige Ereignisse waren in den Jahren 2001 bis heute passiert. Ich möchte aber noch, bevor ich auf diese Vorkommnisse eingehe, einige Worte über das weibliche Geschlecht verlieren. Ich erwähnte schon die „wilden Jahre" die ich erlebt habe. Während meiner Reisezeit lernte ich viele Frauen näher kennen. Und die Damen waren alle sehr „aufgeschlossen“ für das männliche Geschlecht. Ich konnte aber auch sehr schlecht „nein“ sagen. Ich genoss diese Zeit sehr.
Die „wilden Jahre“ waren abgeschlossen und ich überlegte, mir für den Lebensabend einen Partner zu suchen, der mit mir den Rest des Lebens verbringt. Wieder spielte der Zufall eine Rolle. Ich benötigte Anfang 1994 eine Dame für den Bordservice. Bei mir stellte sich Frau Halina Musiol. vor. Die „Chemie“ stimmte von der ersten Minute zwischen uns. Sie reiste noch mit nach China, Norwegen und in die Toskana. Dann endete meine Arbeit bei der KVB endgültig. Ich machte mich Selbständig API-REISEN-KÖLN hiess meine neue Firma. Halina und ich suchten uns 1994 eine gemeinsame Wohnung in der Weißhausstraße 28. Noch viele Reisen als Veranstalter Api-Reisen wurden durchgeführt. Im Jahr 2000 war dann die letzte Fahrt angesagt. Es war eine Kreuzfahrt mit 30 Personen im Mittelmeer. Ich fühlte mich noch nicht reif für den „Schaukelstuhl“ und sinnierte, was ich wohl machen könnte. Da ich mich als "Computerspezialist" ausgebildet hatte, gab ich auf diesem Gebiet Unterricht für ältere Menschen. Es machte sehr viel Spaß. Ich war immer „up to date” auf dem Sektor PC und es brachte ein zusätzliches Einkommen.
Mich erwischte das Schicksal nun doch. 2000 wurde eine Altersdiabetes festgestellt und 2001 bekam ich Herzrhythmusstörung mit Vorhofflimmern 1:1. Vieles wurde anders. Über Nacht wurde ich impotent. Halina, die 20 Jahre jünger war und ich, litten sehr darunter. Sie verließ mich 2003. Hier möchte ich einen Nachtrag hinzufügen. Als Halina auszog, nahm sie alle Möbel des Wohnzimmers mit. Ich bestückte das Zimmer nicht neu, sondern baute hier eine Eisenbahn-Modellanlage. Dies ist eine wunderbaren Freizeitbeschäftigung, die einen voll in Anspruch nimmt. Die Anlage ist seit 2003 schon 4 mal neu aufgebaut worden. Wir schreiben heute den 04. November 2008. Wieder sind viele Jahre seit meiner letzten Eintragung vergangen. Ich will mal versuchen etwas chronologisch weiterzuberichten. Wie schon oben erwähnt war ich herzkrank. Musste viele Medikamente nehmen; unter anderem Marcumar, den Blutverdünner. In 2004 wurde es so schlimm, dass ich eine Pulsfrequenz von 330 hatte. Ich wurde sofort in die Uniklinik eingewiesen, wo ich von Frau Professor Ute Hoppe geheilt wurde. Sie setzte einen Stent und führte einen Herzkatheder ein. Durch Stromstösse (?) regulierte sie den Rhythmus und mein Leben war wieder normal. Es war und ist schon ein gutes Gefühl, wieder normal leben zu können. Ich habe natürlich alles fotografisch festgehalten.
2004 starb meine Frau Gisela. Nach dem der Brustkrebs angeblich entfernt worden war, bildeten sich 5 Jahre später Metastasen. Zwei Jahre hatte sie zu leiden. Am 25. Juli 2004 machte sie die Augen zu. Für Rainer war das ein schwerer Schlag. War sie für Ihn doch sein Ein und Alles. Kurz auch über Rainers Familie. Birgit (geborene Ringk) die er seit seinem 16. Lebensjahr kennt, wohnt mit Rainer seit Ostern 1997 im elterlichen Haus von Gisela in Opladen. Endlich, 2001 heiraten sie. Am 10.11.2001 ist die standesamtliche Hochzeit. Die kirchliche Hochzeit fiel mit der Taufe des ersten Kindes zusammen. Sie fand in Südfrankreich in Séguret am 19.Mai 2001 statt. Laurenz wurde geboren am 06.02.2001. Aber das war noch nicht alles. Am 13. März 2004 kam meine Enkelin Luisa zur Welt. Möge Ihnen allen ein schönes Leben, wie meines beschieden sein. Im Mai 2005 nahm ich die Freundschaft mit Ines Gottschalk wieder auf. Wir haben viele Gemeinsamkeiten. Unter anderem reisen wir sehr gerne Bis heute haben wir folgende Reisen unternommen: Dresden, München, Straßburg, Über Weihnachten/ Silvester 2006 eine 20tägige Kreuzfahrt Acapulco bis Los Angeles von dort nach Hawai. Dann ging es nach München, Usedom, Toskana, Paris, Dubai. In diesem Jahr war eine 52tägige Kreuzfahrt vom 03.01 bis 23.02.08. Von Barbados die östliche Küste von Südamerika runter bis Rio De Janeiro, Atlantiküberquerung nach Walfishbay, westliche Küste Südafrika bis Cape Town und dann hinauf östliche Küste, Madagaskar bis zu den Sychellen. Über meinen 80. Geburtstag vom 23. bis 30. August 2008 machten wir eine Flusskreuzfart: Passau – Budapest – Passau. Jetzt im November 2008 wird Ines 70 und hat ein 8tägige Reise nach Dubai Dubai spendiert. Reisen ist zu unserem Hobby geworden. Ich habe einmal die Tage gezählt, wo wir auf Reisen waren. 2006 47 Tage, 2007 36 Tage, 2008 75 Tage und 2009 51 Tage.
Im vergangenem Jahr 2009, waren wir 6 Tage im Spreewald, , 14 Tage Rio de Janeiro und Überfahrt mit der MS Bremen, 5 Tage bei Marianne in Neubiberg, 14 Tage

China, mit Flusskreuzfahrt auf dem Jangtse und 12 Tage in Ägypten mit einer Nilkreuzfahrt. Nun ist mein Erspartes vollkommen aufgebraucht. Bevor wir wieder Reisen können, muss ich wieder sparen. Jeden Monat ab April 2010 bleiben ca. 500,00 Euro übrig. Wir schreiben jetzt April 2010, mal sehen, was uns erwartet. Das Jahr 2010 fing mit viel Arbeit an. Ich hatte 7 Jahre an der Modelleisenbahn gebaut. Die Wohnung war noch seit Erbauung des Hauses Weißhaus-straße 28 mit Teppichboden ausgelegt. Überwiegend, durch die Arbeiten im „Eisenbahnbauzimmer“ war

der Teppichboden stark verschmutzt worden. Seit 2004 wurden die Wohnungen, wenn jemand auszog, mit Laminat ausgelegt. Ich machte einen Deal mit unseren Hausmeister Abedini. Sie legten meine Wohnung vom 13. Januar bis 26. Januar 2010 mit Laminat aus. Davor hatte ich das Eisenbahn-zimmer entsorgt. Die noch relativ gebrauchsfähigen Teile wie Schienen, Gleise und Häuser bekam Rainer. Der Rest, ein großer Müllhaufen, wanderten während 2 Wochen in den Abfallcontainer. Als der Raum leer war, kam am 13. Januar der Anstreicher. Am nächsten Tag

wurde in diesem Zimmer Laminat verlegt. Dann kam das ehemalige Schlafzimmer dran. Das 2bettige Bett wurde zerlegt und ein Bett entsorgt. Der Rest kam in das fertige Zimmer. Dann wurde das Schlafzimmer geweißt und so ging es weiter, bis am 26 Januar alles im neuen Glanz erstrahlte.
Es war wunderschön, wenn es auch viel Arbeit und Geld gekostet hat. Halina hat mich bei der Arbeit tatkräftig unterstützt. Die Kosten beliefen sich für mich auf 678,00 €, wobei das Laminat vom Eigentümer bezahlt wurde. Die Wohnung wurde nun ganz neu gestaltet. Das

ehemalige Schlafzimmer wurde mein Arbeitszimmer. Der Eisenbahnraum wurde das Schlafzimmer und die Küche das Esszimmer.
Wir schreiben den 08.September 2010. Nun fangen doch die Krankheiten an. Lange Zeit war man mit dem was man schon hatte, ausgekommen. Fast gleichzeitig ging es bei Ines und mir los. Ines hat es mit den Augen schlimm erwischt. Sie liegt seit dem 31. August in der Augenklinik in Erlangen. Bei mir fing es nach einer starken Erkältung im Mai an. Ich habe Schluckbeschwerden. Und man erkennt keinen Grund. Die Laborwerte sind gut. Schlucken mit Kontrastbrei und Röntgen ist auch ohne Befund. Morgen muss ich zu Dr. Sommer und einen Schlauch schlucken. Damit soll die Speiseröhre und der Magen untersucht werden. Am 19. August bin ich am rechten Auge vom grauen Star befreit worden. Morgen habe ich Nachuntersuchung und am 14, September ist das linke Auge dran. Zu meinem Geburtstag, ich wurde 82 Jahre, fuhren wir vom 24. bis 26. nach Leipzig. Leipzig ist eine wunderschöne Stadt geworden. Es hat uns, vor allem Ines sehr gut gefallen. Heute war ich nun zur Magenspiegelung. Die Aussage von Dr. Sommer wörtlich: Harmlos aber unangenehm. Damit können Sie Herr Pietschmann 100 Jahre alt werden.Na, na. Vom 15.11. bis 17.11.2010 fahren

wir mit dem Thalys nach Paris und feiern dort Ines Geburtstag. Direkt anschließend am 18.11.2010 fliegen wir nach Aquaba (Jordanien) und gehen dort auf "unsere"

Columbus Eine sehr schöne Reise führt über Safaga, Sharm el Sheikh, Salalah (Oman), zu den Sychellen. Am 06.12.2010 sind wir wieder in Köln.
Das Jahr 2010 ist nun zu Ende gegangen. Es war gesundheitlich das schlechteste Jahr der letzten 20 Jahre. Und was mich am meisten stört, ist eine chronische Bronchitis die einfach nicht zu heilen ist.
Heute schreiben wir den 01.01.2011. Wir haben schön in das neue Jahr hineingefeiert. 2006/07 waren wir auf der Columbus. 2008/09 bei Ines. 2009/10 bei Ines und auch 2010/11 bei Ines. Wir machen es uns immer sehr schön. Stilvoll gekleidet, Hummer zum Essen und Champagner zum Trinken.


Wir fahren vom 20. bis 27. Juni 2010 nach Warnemünde. Auch in der Hoffnung, durch

eine Inhalation Besserung der Bronchitis zu bekommen. Es hat aber nichts genutzt. Reisen ist immer noch unser Hobby.
Da bietet sich ein toller Knüller an. Vom 13. bis 27.08.2011, über meinen Geburtstag, mit der Queen Mary 2 nach New York. Der Wunsch ist schon alt, mit der Queen zu reisen. Aber immer war der Preis zu hoch. Er lag zwischen 3.000,00 bis 4.000,00 Euro pro Person. Jetzt bot uns das Reisebüro zu einem Preis von 1.590,00 Euro p.P. die Überfahrt von Hamburg nach New York, an. Eine Aussenkabine 25 m² mit


Balkon. Da griffen wir natürlich zu. Es war einmalig schön. Die Überfahrt über den Atlantik via Southampton dauerte 9 Tage. Mit vielen Galaabenden verging die Zeit sehr schnell. Die Queen Mary 2 ist ein typisches engliches Kreuzfahrtschiff. Hier werden noch alte Traditionen gepflegt. Der Nachteil ist, über 2000 Passagiere und es herrscht eine Dreiklassen-Gesellschaft. Die Verlängerung in New York war das Pünktchen auf dem "i".

Der November 2011 wurde zur kleinen Katastrophe. Ich hatte noch 4 eigene Zähne im Unterkiefer. Darauf ruhte seit 1999 eine Prothese. Am 26.10.11 bekam ich furchtbare Zahnschmerzen. Mein Zahnarzt wohnt direkt nebenan. Dr. Schwarz war in Urlaub. Die Vertretung Dr. Breuer stellte nach Röntgen fest: Zahn stark entzündet, muss raus. Er sagte auch noch, Dr. Schwarz wird bestimmt empfehlen, auch die restlichen drei Zähne zu entfernen. Und so kam es. Dr. Schwarz meinte, die Zähne sind so locker, dass keine Prothese mehr hält. Er machte einen Plan der vorsah, vier Implantate zu setzen und die

Prothese bis Februar 2012 auf den noch vorhandenen drei Zähnen zu belassen.
Am 22. November 2011 war es so weit. Von 11:55h bis 13:40h wurden vier Löcher in den Unterkiefer gebaggert. Da hinein kamen die vier Implantate. Mit 16 Nähten wurde dann alles zugenäht. Ich wurde um 14:10h entlassen. Schlimm war zu dieser Zeit, dass der Unterkiefer stark anschwoll und ich kein Gefühl in dieser Gegend hatte. Es lief dauernd eine Blutbrühe über meinen Mund. Der Doktor hat mir empfohlen zu kühlen und gab mir ein Kühlmittel mit. Ebenfalls Antibiotika

und Schmerztabletten. Ich musste natürlich viel Küchenrollenpapier brauchen. Das ging gut bis 17:00 Uhr. Da ließ die Betäubung nach und Ines kam. Ich hatte schon vor-sorglich eine Schmerztablette genommen die auch gut half. Aber zu dieser Zeit war ein Sprechen fast ausgeschlos-sen. Um 23:00h ging ich ins Bett. Davor nahm ich noch eine Schmerztablette. Ich habe gut geschlafen bis 08:30h. Obwohl ich ein Handtuch mit in das Bett genommen habe, wurde das Bettzeug ziemlich blutbeschmiert.Um 09:00 Uhr rief mein Zahnarzt an und

erkundigte sich nach mein Befinden. Ich war schmerzfrei. Nur der Unterkiefer war stark angeschwollen. Sprechen war zu diesem Zeitpunkt noch schwierig. Es besserte sich im Laufe des Tages zunehmend, auf Grund meiner dauernden Kühlung. Ich versuchte dann gegen 17:00 Uhr die Prothese zu setzen.
Und es gelang. Zur Zeit (24.11.2011) geht es mir gut, ich habe keine Schmerzen und kann auch wieder telefonieren. Am 01.12.2011 wurden die Fäden gezogen. Es war auch nicht ganz schmerzfrei, weil zwei Fäden schon eingewachsen waren. Nun habe ich Ruhe bis zum 25.01.2012. Das Zahnfleisch wächst zu und wird am 25. ten geöffnet. Über das Plantat kommt eine Manschette. am 08.02.2012 werden "Plomben" gesetzt. Anschließend sollen dann Abdrücke genommen werden.
Es kommt immer anders als man denkt. Am 14.12.11 bekomme ich wieder starke Zahnschmerzen. Am 15.12 zu Dr. Schwarz. Untersuchung ergibt, Zahn entzündet muss raus. Also wieder 45 Minuten im Behandlungszimmer mit Narkose natürlich. Bei der Verabschiedung meint Dr. Schwarz: Der danebenliegende Zahn kann eventuell auch entzündet sein. Wenn Sie Morgen noch Schmerzen haben, kommen sie wieder.
Es ist 15.12.11 22:30h. Ich bin schmerzfrei. Hoffentlich bleibt es so. Es blieb nicht so. Am 20.12.2011 wurde der lezte Zahn gezogen. Nun hat die Prothese keinen Halt mehr. Ich musste mit Haftcreme arbeiten. Es ist aber kein fester Sitz mehr möglich. Zweimal kauen und die Prothese schwimmt im Mund. Dr. Schwarz versucht durch speziellen Heisskleber die Prothese zu vergrößern. Hilft aber wenig. Nun entschließt er sich, die ganze Prozedur zu verkürzen. Am 20.01.2012 bekomme ich bereits die "Plomben" gesetzt. Am 25ten die Fäden gezogen und am 30.01.2012 wird der erste Abdruck gemacht. Heute am 01.02 wurde ich zum "Probebiss" gerufen.




Die Röntgenaufnahme zeigt: 4 Implantate (nach unten) und noch 3 Zähne, die aber nicht mehr vorhanden sind










Am 16.Februar ist Weiberfastnacht. Wir feiern, wie fast jedes Jahr im Dom-Hotel Da ist etwas peinliches passiert. Ich trage ja noch meine Ersatz-Zähne und die waren mit einem mal fort. Schon die Nachfrage war sehr peinlich. Aber glücklicherweise hat sie jemand gefunden!

Heute schreiben wir den 29.02.12. Die letzte Prozedur hat begonnen. Das "Gerüst" wurde angepasst. Am 07. März 12 bekomme ich meine 4. Zähne
















Endlich nach 106 Tagen, fast zahnloser Tätigkeit, bekomme ich heute am 07. März 2012 meine vierten Zähne. Ich fühle mich wie "neugeboren". Man kann also wieder kauen, beißen und z.B. einen Apfel in der üblichen Art zu sich nehmen.





Wir schreiben heute Oktober 2013. Im August wurde ich 85 Jahre. Es hat sich nicht viel verändert als das man ein Jahr älter wurde. In dieser Zeit haben wir zwei Reisen unternommen. Vom 20.12.2012 bis 09.01.2013 machten wir eine Kreuzfahrt mit der MS Millennium von Hongkong nach Singapur.Es war eine sehr schöne und angenehme Reise. Die Flüge Vietnam Neuland, während wir Hongkong, Bangkog und Singapur schon kannten. fanden mit Emirates Buissnes Class statt.Für uns war Beeindruckend in Singapur das Hotel Marina Sands Bay, es ist das neue Wahrzeichen von Singapur.
3 Türme, je 57 Etagen hoch. Oben mit einer Plattform die Sky-Park heißt verbunden. Auf diese Plattform befinden sich ein riesiger Swimmingpool, ein Park mit einer Palmenallee, ein Restaurant und ein Andenkengeschäft.







Im Juni 2013 musste Ines aus dem vierten Stock in das Hochparterre umziehen. Da das Haus keinen Aufzug besitzt, wurde der Weg nach oben immer schwieriger. Auch für mich war es schon eine kleine Strapaze. Es waren immerhin 72 Stufen zu bewältigen.Der Umzug zog sich über zwei Monate hin und war sehr kostenaufwendig. Die Lieferung von fehlenden Möbeln dauerten 6 - 8 Wochen.

Am 25.08.2013, an meinem Geburtstag - ich wurde 85 Jahre alt - begann die zweite Reise mit der MS Columbus Mit der Bahn fuhren wir nach Hamburg. Am 26. August folgte die Einschiffung auf die MS Columbus 2. Von Hamburg fuhren wir nach Helgoland, weiter nach Amsterdam, Honfleur, Bilbao, Lissabon, Cadiz, Gibralta, Valenzia und Barcelona.



Anfang des Jahres 2013 verschlechterte sich meine Sehkraft zusehens. Nach der Entfernung des "Grauen Stars" im August 2010, mußte im März 2013 die rechte Linse entfernt und erneuert werden. Jetzt am 15. Oktober 2013 musste die linke Linse erneuert werden. Mein Operateur war Dr. Thomas Heiser.







Wir schreiben das Jahr 2014.

Wir nehmen Abschied von unser geliebten MS Columbus2. Es ist die letzte Fahrt bevor sie verkauft wird.
Die letzte Reise der MS Columbus2   Die Tour beginnt am 02.April in Dubai und endet am 21 04 2014 in Barcelona.



Ines hat ein Grundstück in Berlin und will es verkaufen. Aus diesem Grund fahren wir vom 26. bis 28.Mai nach Berlin


25. August 2014! Achim hat Geburtstag. Wir fahren mit der DB von Köln um 07:10 Uhr nach Warnemünde . Fahrzeit bis Hotel Neptun 06:29 Stunden

Wir werden mit einem PKW des Hotels Neptun vom Bahnhof abgeholt

Wir Sind keine Freunde von großen Kreuzfahrtschiffen. Aber wir bekamen ein Angebot vom 23. bis 30.September 2014 für eine Fahrt mit der MS Oasis von Barcelona nach Rotterdam. Die MS Oasis of the Sea, war damals das größte Schiff der Welt. Es hat die Möglichkeit 8.461 Personen, (mit Besatzung) zu befördern. Es reizte uns, das Schiff kennen zu lernen. Es war wirklich die Wucht. Siehe den Weblink: Fahrt mit der MS Oasis of the Sea


Es sollte das Erlebnis des Jahrhunderts werden. Es war ein lang gehegter Wunsch. Wir fahren mit der MS Hanseatic von Hapag Lloyd. Vom 24. Oktober bis 27. November in die Antarktis. Fahrt mit der MS Hanseatik in die Antarktis

Fortsetzung folgt
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